Sitze gerade an meinem Arbeitsplatz und schaue nach draußen, ein wundervoller Tag. Klar, ruhig, fast freundlich.
Heute Nacht habe ich wieder viel geträumt, und wie so oft bringen mich diese Träume zum Nachdenken, doch nicht nur das. Meine Gedanken wollen auch ausgesprochen werden, und manchmal ist die Wahrheit dahinter ... unangenehm.
Ich frage mich dann ... bin ich zu hart, zu direkt, warum sehe ich die Welt und die Ereignisse oft anders – vielleicht klarer – als viele andere in meinem Umfeld? Manchmal frage ich mich, ob es leichter wäre, das zu sagen, was andere hören wollen. Angepasster zu sein ...
.. weicher
Doch dann ist dort diese starke, innere Stimme. Dieser Kompass. Eine Intuition, die mir sehr deutlich zeigt, was stimmig ist und was nicht. Tief in mir weiss ich, dass ich die Dinge richtig sehe und einschätze, auch wenn es für viele einfacher ist, wegzuschauen - nicht zuhören - weglaufen.
Dabei will ich nicht bewerten oder verurteilen, jeder geht mit Verantwortung und Wahrnehmung auf seine Weise um. In diesem Blog geht es um genau diese Dynamik:
um die unsichtbare Balance zwischen Nähe und Abwesenheit, um die Rollen, die wir über Jahre hinweg einnehmen, und darum, warum Verantwortung nie einseitig ist und auch nicht plötzlich entsteht.
Warum Verantwortung nie einseitig ist Beziehungssysteme entstehen nicht plötzlich. Sie formen sich über Jahre, oft sehr pragmatisch, sehr funktional, sehr logisch.
Am Anfang steht meist eine Entscheidung, die zwischen 2 Personen getroffen wurde:
Eine Person geht stärker ins Außen, in den meisten oder mir bekannten Fällen, ist dies meistens der Mann. Dieser baut beruflich auf, verdient Geld, trägt die finanzielle Verantwortung.
Die andere Person, in den meisten oder mir bekannten Fällen, ist dies meistens die Frau, bleibt stärker im Inneren des Systems und übernimmt das tägliche Leben. Und dieses „Innere“ ist kein Leerlauf. Das Leben, das zu Hause stattfindet, die Person, die zu Hause bleibt, hält den Alltag am Laufen:
Und nicht selten auch:
Von außen wirkt das oft „frei“. In Wahrheit ist es ständige Verfügbarkeit.
In dem Leben, das im Außen stattfindet, steht die andere Person:
Über Jahre funktioniert dieses Modell. Man arrangiert sich. Man lebt nebeneinander her, mit klaren Aufgaben.
Doch langsam passiert etwas:
• Die Person zu Hause wird zur Expertin für alles Familiäre
• Die Person im Außen wird zum Spezialisten fürs Funktionieren
Es entstehen zwei Welten. Zwei Sprachen. Zwei Realitäten. Und Nähe wird ersetzt – auf beiden Seiten. Kompensation statt Begegnung.
Die abwesende Person sucht oft unbewusst Ausgleich:
Gleichzeitig passiert auch auf der anderen Seite etwas:
Und dann kommen die Kinder ins Spiel ... wenn Kinder ... später ... in der Pubertät "Probleme" zeigen (besonders habe ich das beobachtet bei Familien mit Söhnen), beginnt oft die Schuldfrage.
Oft entstehen dann gegenseitige Vorwürfe, die sich über Jahre angestaut haben. Auf der einen Seite, sagen die abwesenden Väter häufig:
Auf der anderen Seite werfen die Mütter den Vätern vor:
Abwesenheit ist kein neutraler Zustand. Sie prägt ... auch dann ... wenn sie finanziell kompensiert wird. Wenn das System kippt, häufig wenn die Kinder groß sind, funktioniert das Modell plötzlich nicht mehr.
Die Person im Außen fühlt sich:
Die Person im Inneren fühlt:
Und beide beginnen, rückblickend Schuld zu verteilen.
Manchmal sehe ich Menschen, die genau das wollen (retrospektiv) was unmöglich ist:
DIE SINNE AUF BEIDEN SEITEN DES HIMMELS HABEN WOLLEN.
Ihr wollt DEN perfekten Kompromiss ... don´t make the deal with the devil .. Du erinnerst Dich ??? auf der einen Seite Freiheit, eure eigenen Wege zu gehen, vielleicht sogar fremdzugehen, auf der anderen Seite einen treuen und loyalen Partner, einen Partner den ihr alleine gelassen habt, der sich aber nicht von euch auch emotional entfernt und so weiter .. hier muss ich ehrlich sein .. So funktioniert Verantwortung nicht.
Verantwortung ist kein Rückblicksspiel, bei dem man nachträglich die Schuld verteilt oder den anderen bewertet. Verantwortung muss vorher bedacht, bewusst übernommen und getragen werden. Alles andere ist ILLUSION.
Hier liegt der Kern: Verantwortung lässt sich nicht erst am Ende verhandeln. Wer abwesend war, war nicht Opfer von Umständen. Wer zu Hause war, war nicht machtlos. Beide haben Entscheidungen getroffen. Beide haben profitiert und beide haben verzichtet. Beide haben Anteile.
Ein Gedanke zum Schluss ....